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IT-Transformation – Warum Eisbären keine Pinguine fressen.


16. November 2017


Wie können Unternehmen neue Rechenzentrum-Technologien zu ihrem Vorteil nutzen, um Transformation und Innovationen voranzutreiben?

Eisbären fressen Fleisch, soviel steht fest. Und Pinguine sind nicht besonders gut zu Fuss und bieten sich als Beutetier geradezu an. Dem kundigen Leser ist es natürlich klar: Eisbären leben am Nordpol, Pinguine dagegen am Südpol. Die beiden Arten dürften sich also noch nie begegnet sein, haben keine Berührungspunkte und kennen einander nicht.

Fast so, wie einzelne Fachabteilungen der IT-Organisation, welche punktuell ihren jeweiligen Aufgabenstellungen nachgehen, ohne die Synergien und Skalen-Effekte moderner Cloud-Technologien und Infrastrukturen zum Vorteil der Unternehmung zu nutzen. Die Entfernung zwischen Nord- und Südpol ist auch Metapher für die Erwartungen der Geschäftsbereiche an die IT und deren Fähigkeiten den Anforderungen gerecht zu werden. Kein Wunder, dass viele Unternehmen Zuflucht in der Public Cloud suchen. Ob damit der anstehende Unternehmens-Wandel unterstützt werden kann und die IT-Transformation sinnvollerweise nicht nur mit eingebunden, sondern nachhaltig vollzogen werden kann, sei offengestellt.

Anforderungen an die IT steigen überproportional zum Ressourcenwachstum. Doch muss sich die IT-Organisation der Geschwindigkeit der Geschäftsfelder anpassen, damit diese mit dem Markt nicht nur Schritt halten, sondern Innovationen treiben können.

Die meisten IT-Organisationen suchen im Aufbau moderner Datacenter-Technologien Lösungsansätze dazu. Beispielsweise mittels software-defined Architekturen, gesteuert durch Automatisierung. Eingesetzt werden die neuen Technologien aber im bestehenden Organisations- und Betriebsumfeld.

Dies ist der falsche Ansatz. Es geht primär nicht um software-defined Lösungen und Automatisierung, sondern um die Wertschöpfung der IT-Organisation. Ohne gleichzeitige Veränderung und Innovation in der Leistungs-Erbringung wird das Potential moderner Technologien nur teilweise ausgeschöpft.

Die Gründe dafür sind vielschichtig

  • Fachabteilungen/Engineers sind es gewohnt,  in der vertrauten Umgebung und mit bekannten Tools zu arbeiten. Wechsel zu neuen Tools sind schwierig und ein langwieriger Prozess.
  • Bestehende Abläufe sind mit bestehender Technologie verzahnt und lassen sich oft nur schwer ändern.
  • Zu stark liegt der Fokus noch auf Produkten und Technologien, das Service Verständnis ist wenig gereift.
  • Neue Technologien werden im Rahmen des Lifecycle-Changes beschafft, bestehende Organisationsstrukturen und Prozesse sind aber nicht Bestandteil dieses Technologie-Lifecycles.

Die Steigerung der Wertschöpfung von IT-Organisationen kann beispielsweise durch die Erbringung von höherwertigen Diensten wie IaaS, PaaS und ITaaS erfolgen. Diese Service Orientierung erfordert aber ein Umdenken in eine End-to-End  Sicht solcher Services. Nebst den genannten sind es weitere Dienste wie SaaS und Hybrid-Cloud, welche schnell einen Nutzen erzeugen, schnell eingeführt werden können und nach Bedarf flexibel an neue Anforderungen der Unternehmung angepasst werden können.

Diese Strategie führt zu mehr Agilität und Flexibilität und steuert die Innovation des Unternehmens. Sicher, die Automation ist wichtig, vor allem die Infrastruktur-Automation hat den entscheidenen Vorteil, dass sie ITIL Prozesse (Change, Audit, etc.) automatisiert, beschleunigt und von Fehlern befreit. Die Arbeit des Betriebes verlagert sich durch Automation von klassischen “Daily Tasks” hin zu pro-aktivem Engineering, zur Erstellung und Anpassung von Blueprints und Prozessen. Diese Arbeit ist deutlich interdisziplinärer, skaliert aber anschliessend besser, weil Prozesse einfach wiederholt werden können.

Agile Prozesse erfordern eine agile Infrastruktur und im Umkehrschluss müssen durch den Einsatz neuer Technologien und Infrastrukturen die bestehenden Betriebsprozesse, Team-Strukturen und Organisation angepasst werden.

Die nachstehende Auflistung zeigt beispielhaft einige Fachthemen, welche direkten Einfluss auf die Betriebsprozesse und die Struktur der IT-Organisation haben.

Auch die populären Converged und Hyper-Converged Infrastrukturen – also ganzheitliche Systeme welche Compute, Storage und Netzwerk aus einem Guss bereitstellen – haben einen grossen Einfluss auf bestehende IT-Betriebsstrukturen.

  • Bei einer klassischen Lösung werden die Fachaufgaben in traditionellen, dedizierten Teams wie Operations, Engineering und Architektur wahrgenommen. Die Abstimmung der verschiedenen Komponenten und die Sicherstellung des Betriebsmodelles nimmt dabei viel Zeit in Anspruch.
  • Bei einer Converged Architektur werden grosse Teile dieses Abstimmungsaufwandes an die Hersteller der Systeme ausgelagert. Die IT Organisation wird mit disziplinübergreifenden Operations-Teams neu aufgestellt. Die klassischen Engineering Aufgaben verlagern sich hin zum Erstellen von Infrastruktur-Blueprints, Definition von Standards, Definition von IaaS und PaaS Services sowie neuen Automatisierungsprozessen und mehr strategische Mitarbeit in Projekten.

Auswirkungen auf die Betriebsprozesse am Beispiel von software-defined Architekturen und Infrastruktur Automatisierung:

Alle neuen Infrastruktur Technologien haben eines gemeinsam: Sie erfordern oder nutzen fachübergreifende Informationen um ganzheitliche Ansätze umzusetzen.

Doch bestehende Organisationsstrukturen und veraltete Betriebsprozesse verhindern eine wirkungsvolle Umsetzung zum Vorteil der Unternehmung.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in fachübergreifenden Teams, oftmals umgesetzt mit neuen Rollen wie beispielsweise Private-Cloud Administrator, -Cloud Architekt und -Cloud Engineer. Diese Teams sind nicht nur für die Konzeption und Implementierung zuständig, sondern auch für die effiziente Nutzung moderner Technologien, und mit Ihrem Verständnis auch in der Lage bestehende Betriebsprozesse zu optimieren und diese an neue Technologien anzupassen.

Quick Wins – nicht End-zu-End in einem Stück

Ein ebenfalls bewährtes Rezept ist es, den Kuchen in Stücke aufzuteilen, den Fokus auf die Bereiche zu legen, wo am einfachsten Erfolg umsetzbar ist und nach und nach während der Transformation weitere Themen und Bereiche dazu zu nehmen.

Einmal mehr liegt der Unterschied zum Erfolg also nicht nur in den eingesetzten Technologien und Komponenten der Lösung, sondern vielmehr in der Fähigkeit, die Organisationsstruktur so anzupassen, dass sich der Fokus auf den eigentlichen IT-Dienst und somit die Wertschöpfung verlagert. Gelingt dies, sind die Voraussetzungen gegeben, das Potenzial moderner Technologien auszuschöpfen und den Automatisierungsgrad zu erhöhen.

Schulung und Ausbildung nicht vernachlässigen

Und nicht zuletzt sollte mit genügend Vorlauf die Ausbildung der Mitarbeiter in Angriff genommen werden, denn was der Bauer nicht kennt, isst er nicht.

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