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Die Pandemie als Katalysator: Wie das neue Mindset den digitalen Wandel fördert


07. January 2021


Dirk Ramhorst, CDO und CIO Wacker Chemie AG

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung in Deutschland einen Schub gegeben. Unternehmen haben in den letzten Monaten den Mehrwert, insbesondere die gestiegene Flexibilität und Widerstandsfähigkeit, unmittelbar erlebt. Diejenigen, die ihre digitale Transformation bereits vorangetrieben hatten, meisterten die Umstellung schnell – und dienten anderen als Inspiration. Aus den Erfahrungen dieses Jahres kann die deutsche Wirtschaft auch für die Zukunft profitieren.

Vorreiter wie die Wacker Chemie AG – die auch direkt bei der Impfstoffproduktion beteiligt sein wird – zeigen dabei, welchen Erfolg eine umfassende Digitalisierung haben kann. Dirk Ramhorst ist als CDO und CIO die treibende Kraft der Digitalisierung in dem Münchner Unternehmen. Am Rande eines virtuellen Roundtables haben wir darüber gesprochen, wie Wacker im New Normal von der Digitalisierung profitiert.

 

Herr Ramhorst, für viele Unternehmen war der schnelle Umstieg auf das Home Office eine Herausforderung. Wie haben Sie das erlebt?

Wir konnten fast 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter praktisch von einem Tag auf den anderen aus dem Home Office arbeiten lassen. Aber wir waren auch vorbereitet. Wir haben bereits 2017 unser großes Digitalisierungsprogramm „Wacker Digital“ gestartet, um innerhalb von zehn Jahren der digitale Leader der Chemieindustrie zu werden. Das Teilprojekt “Digital Workplace” wurde als eine der zentralen Grundlagen 2019 abgeschlossen. Seitdem nutzen wir beispielsweise Webex Teams, auch um weniger Dienstreisen zu unternehmen. Deshalb war hier die Umstellung nicht allzu groß, wir mussten nur neue Lastspitzen abfangen. Die Zahl der Videokonferenzen stieg von wenigen Hundert im Monat auf über 45.000 im Monat an. Auch unsere Produktion konnten wir so auf voller Leistung aufrechterhalten.

 

Was war Ihr CIO-Highlight des Jahres?

Es waren zwei. Wir haben am 1. Mai den weltweiten Go-Live mit SAP S/4 Hana virtuell gestemmt. Dazu gehörten die kompletten letzten Funktions- und Integrationstests sowie die eigentliche Migration an nur einem Wochenende. Und dennoch war es laut SAP einer der problemlosesten Go-Lives, die sie je erlebt haben. Zum anderen haben wir in Korea eine neue Anlage remote eröffnet – und die Ingenieure über Webex Teams zugeschaltet.

 

Virtuelle Meetings sind inzwischen ja Standard. Haben Sie auch neue Formate gestartet?

Tatsächlich sind digitale Konferenzen und Versammlungen häufig effektiver. Ein Vortrag wird kompakter, die Teilnahme deutlich höher. In den vergangenen Monaten haben wir Webex Events auch für den Zusammenhalt genutzt: Mit großen virtuellen Townhall Meetings auf der einen Seite – und mit kleineren Events zu Tipps und Tricks fürs Home Office oder das Familienleben auf der anderen.

 

Was denken Sie: Kehren in Zukunft alle ins Büro zurück oder wird Home Office die neue Normalität?

Weder noch! Ich denke nicht, dass alle einfach wieder ins Büro zurückkommen. Ich glaube aber auch nicht, dass für alle Mitarbeiter das Home Office auf Dauer die richtige Wahl wäre. Die meisten Unternehmen werden in eine hybride Arbeitsform wechseln. Dabei wird es vor allem darum gehen, wie man digital so zusammenarbeiten kann, als wäre man im gleichen Raum. Wir haben zum Beispiel ein virtuelles Design-Thinking-Projekt entwickelt, bei dem mit digitalen Post-Its gearbeitet werden kann. Andererseits muss man auch die Zukunft des Büros neu denken, in dem nicht mehr für alle Angestellten ein fester Arbeitsplatz vorgehalten wird.

 

Können Sie Corona – wenn überhaupt – etwas Positives abgewinnen?

Die Wahrnehmung der IT-Abteilung hat sich grundlegend verändert. Vorher haben Mitarbeitenden die IT-Fachleute oft nur wahrgenommen, wenn es Probleme gab. In den letzten Monaten wurde allen bewusst, welchen hohen Anteil die IT daran hat, das Geschäft aufrechtzuerhalten. Die IT ist gewissermaßen zur erfolgskritischen Infrastruktur geworden.  Seitdem erfährt unsere Arbeit eine viel breitere Wertschätzung – und das wird sich auch auf die zukünftige Stellung der IT in allen Unternehmen auswirken.

 

2020 war ein forderndes Jahr. Was erwarten Sie von 2021?

Corona hat den Prozess der Digitalisierung beschleunigt. Wir werden unser Programm weiter vorantreiben. Dabei geht es dann weniger um neue Ideen, sondern um die Umsetzung konkreter Vorhaben. Dazu gehören bei uns zum Beispiel Predictive-Maintenance-Szenarien für Standardkomponenten in der Fertigung. In der Produktionssteuerung setzen wir verstärkt auf Analytics und Machine Learning, um Prozesse zu optimieren.

 

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